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Kategorie: Europa

Als der bilinguale Zweig am Burgau-Gymnasium das Licht der Welt erblickte, war die Welt noch eine andere: Willy Brandt war Bundeskanzler, im Sommer fanden in München die Olympischen Spiele statt und der deutsch-französische Freundschaftsvertrag, der Elysée-Vertrag, war noch keine zehn Jahre alt. Genau dieser Vertrag zwischen beiden Staaten sah vor, dass die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich intensiviert werden. Dies könnte nicht besser gelingen als mit der Jugend, die sich intensiv mit der Sprache und Kultur des jeweils anderen Landes auseinandersetzt.

Dieses Ziel hatte sich das Kollegium am Burgau-Gymnasium im Schuljahr 1971/72 vorgenommen: Ohne konkrete Vorgaben oder empirische Kriterien startete der Unterricht in den Sachfächern wie u.a. in Geschichte in beiden Sprachen, also auf Deutsch und Französisch. Die Anwendung beider Sprachen in den Sachfächern bot und bietet einen besonderen Vorteil: Die fremde Sprache wird als Arbeitssprache verwendet (mit zunehmendem Lernalter überwiegt ihr Anteil immer mehr) und eine authentische Mitteilungsabsicht erfordert die Verwendung der Fremdsprache. Daneben stehen weitere Vorzüge, wie beispielsweise eine Offenheit und Neugier durch intensivere Beschäftigung mit originalen Dokumenten aus Frankreich, Toleranz gegenüber Andersartigkeit sowie die Lust, weitere Kulturen und Sprachen (kennen) zu lernen.

Der Erfolg eines solchen Vorgehens lässt sich seit 2015 auch an unseren Absolventinnen und Absolventen des AbiBac ablesen. Jedes Jahr erwerben bilinguale Schülerinnen und Schüler diese Doppelqualifikation, die neben dem deutschen auch das französische Abitur beinhaltet. Neben erhöhten Chancen auf dem Arbeitsmarkt besteht die Möglichkeit, direkt an einer französischen Hochschule zu studieren. Dies ist für unsere Schülerinnen und Schüler problemlos möglich: Sie haben durch ihre bilinguale Laufbahn mehrmals die Möglichkeit, an unseren Austauschen nach Frankreich (St. Amand-Les-Eaux, Gémenos und Dunkerque) teilzunehmen, ihre Sprachkenntnisse zu erweitern und interessante Kontakte zu knüpfen.

Und damit wird am Burgau-Gymnasium eine Vision gelebt, die Charles de Gaulle genau zehn Jahre vor Einführung in Ludwigsburg skizziert hat: »[…] und das soll insbesondere das Werk der Jugend sein. Während es die Aufgabe unserer beiden Staaten bleibt, die wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit zu fördern, sollte es Ihnen und der französischen Jugend obliegen, alle Kreise bei Ihnen und bei uns dazu zu bewegen, einander immer näher zu kommen, sich besser kennenzulernen und engere Bande zu schließen.«

Dennis Fender

louvre