Dietmar Nietan steht seinem ehemaligen Gymnasium Rede und Antwort.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Europatag konnte das Burgau-Gymnasium den Bundestagsabgeordneten und Schatzmeister der SPD, Herrn Dietmar Nietan, zu einer Diskussion in der Aula begrüßen. Zunächst erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass Herr Nietan das Burgau-Gymnasium besucht hatte. Er führte seine politische Karriere auf seine Mitarbeit in der Schülervertretung und auf seine Tätigkeit als Schülersprecher zurück. Er lobte ausdrücklich das Burgau-Gymnasium für das, was es ihm ermöglicht hatte. Man konnte erfahren, dass er wirklich sehr gerne an jedem Tag zum Burgau-Gymnasium ging. Letztlich führte der Kompetenzerwerb auf dem Gymnasium dazu, dass er seit 1998 Bundestagsabgeordneter ist. Sein Spezialgebiet ist die Europa- und Außenpolitik.

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 11 durften ihm offene Fragen zu aktuellen Themen stellen. In circa 90 Minuten bezog Herr Nietan Positionen zu verschiedenen Themen. Die aktuelle Flüchtlingspolitik bezeichnete er als einen Skandal und plädierte für eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge. Allerdings könne man auch nicht alle aufnehmen.

 

Erstaunt konnten die Schülerinnen und Schüler von Herrn Nietan hören, dass sich Politiker beeinflussen lassen. Er findet dies völlig in Ordnung, so lange man Fehler eingesteht; aber man dürfe auch nicht nur nach des Volkes Mund reden.

Den Ukraine-Konflikt konnte er auf die fehlende Demokratisierung zurückführen. Ein großes Problem sei es, dass wenige Oligarchen immer noch in der Ukraine herrschen würden. Als sich die Maidan-Bewegung zum Westen orientierte hätte, wäre Putin auf den Plan gerufen worden; denn Putins Konzept des Neuen Russlands schien gefährdet.

Die Griechenland-Krise und die Verquickung der Entschädigungszahlungen für die durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg angerichteten Gräueltaten und Schäden hielt er für ein nicht zulässiges Ablenkungsmanöver der linken Regierung. Über die Entschädigungszahlung als solche könne man allerdings reden. Unverständlich blieb ihm auch, warum eine linke Regierung in Griechenland keine Steuern von Millionären erhebe. Auf Seiten der EU wären auch Fehler gemacht worden, so sei Griechenland kaputt gespart worden. In diesem Zusammenhang bezeichnete er die neoliberale Idee als Unsinn. Griechenland müsse nicht um jeden Preis in der Euro-Zone bleiben. Generell sei die EU nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten zu sehen. Als EU-Erfolgsstory bezeichnete er ausdrücklich sein Lieblingsland Polen.

Die englischen Wahlen wurden ebenfalls im europäischen Kontext gedeutet. Ein Austritts Englands aus der EU würde England wirtschaftlich zu spüren bekommen. England müsse dann ein Freihandelsabkommen mit der EU aushandeln. Das Transatlantische Freihandelsabkommen befürwortete er. Allerdings müsse es ein Abkommen mit Regeln sein, das für die Menschen und nicht für die Konzerne ist. Viele Behauptungen über TTIP seien schlichtweg falsch.

Man erfuhr auch etwas über das Leben eines Bundestagsabgeordneten. Der Arbeitstag beginne morgens um 7.00 Uhr und ende frühestens um 22.30 Uhr. Trotzdem bleibe keine Zeit, an allen Sitzungen teilzunehmen. Obwohl er gegen die PKW-Maut sei, musste er aufgrund des Koalitonszwangs für diese stimmen. Während er die Meinung vertritt, dass Rüstungsgüter kontrolliert werden sollen, damit diese nicht in Bürgerkriegsländer gelangen können, hat er zur Legalisierung von Cannabis keine feste Meinung.

Die Zeit verflog wie im Fluge, was man auch daran erkennen konnte, dass Schülerinnen und Schüler gebannt seinem Vortrag folgten. Herr Dr. Schneider hätte auch noch Fragen gehabt, aber leider reichte die Zeit nicht mehr. Der ehemalige Schülersprecher wurde mit Applaus verabschiedet.